Am dritten Tage auferstanden. Gedanken zum Osterfest

Am 4. Fastensonntag, der mit seiner besonderen liturgischen Farbe, dem Rosa, die Freude des nahenden Osterfestes andeutet, weitet sich unser Blick hin auf das Hochfest der Auferstehung des Herrn.

Was jedoch mit einen Satz, salopp und ganz selbstverständlich als Ziel für die kommenden Wochen angezeigt wird, ist selbst für praktizierende Christen heute nichts Vertrautes und Gewöhnliches mehr, sondern eine Herausforderung; die Fußwaschung am Gründonnerstag, die Feier des Leidens und Sterbens Jesu am Karfreitag und insbesondere die Osternacht bzw. die Feier der Auferstehung  Jesu Christi – all dies sind kirchliche Feiertage, zu denen wir jedes Jahr neu einen Zugang gewinnen müssen.

Dies gilt ganz besonders für die Feier des Todes und der Auferstehung Jesu Christi.

Natürlich sind uns die Realitäten von Leiden und Tod nicht fremd. Zugleich wird jeder Christ/-in einmal festgestellt haben, dass es in guten Zeiten viel leichter fällt, von Glaube und Auferstehung zu sprechen, als in der konkreten Situation eines nahenden Todes. Wir kennen den bohrenden Zweifel in dem existentiellen Frage des Glaubens, und zwar nicht erst seit der Aufklärung und der Neuzeit. Schon der bodennahe Glaube Israels schweigt, ringt und fragt bereits vor mehr als 2500 Jahren:

Wirst du an den Toten Wunder tun,

werden Schatten aufstehn, um dir zu danken?

Erzählt man im Grab von deiner Huld,

von deiner Treue im Totenreich?

Werden deine Wunder in der Finsternis erkannt,

deine Gerechtigkeit im Land des Vergessens? (Ps 88,11-14)

Wenn wir also von der Auferstehung Jesu sprechen wollen, dann können wir das nicht an der Oberfläche bleibend tun, sondern müssen genauer hin schauen und uns die Mühe machen, zum Kern dieses höchsten Festes der Christenheit vorzudringen.

Hierbei könnten uns dann die Erfahrungen von Krankheit, Leid und Tod durchaus helfen, uns der Botschaft des Evangeliums zu nähern. In der Krankheit erfahren wir, dass unser Leben endlich ist. Zugleich erfahren wir, dass wir der Hilfe des Anderen bedürfen, um wieder auf die Beine zu kommen. Diese beiden elementaren Erfahrungen werden am Karfreitag als das totale Ende sichtbar und am Ostermorgen als geschenkter Neuanfang. Interessanterweise taucht in diesem Zusammenhang ein bekannter aber meist unreflektierter Ausdruck auf – „am dritten Tag“. Bei diesem Ausdruck geht es – entgegen heutiger Meinung – nicht um drei Tage von exakt 72 Stunden, denn im Orient zählt auch der angebrochene Tag als ganzer Tag. Vielmehr deutet dieser Ausdruck in den Augen des biblischen Menschen entweder das wahre Ende oder einen neuen Anfang an. So dürfen die Toten erst am dritten Tag bestattet werden, denn dann sind sie nach alter Überlieferung wirklich tot. Oder es geht dabei um das radikale Gegenteil, das unerwartet geschenkt Leben; als Abraham sich aufmacht, seinen Sohn Isaak zu opfern, greift Gott am dritten Tag ein und verschont den Knaben. Ähnlich bei der Hochzeit zu Kana; am dritten Tag verwandelt Jesus Wasser in Wein.

Es gäbe viele interessante Details über diesen Spruch zu erzählen, die aber hier den Rahmen sprengen würden. Festhalten dürfen wir aber, dass der biblische Ausdruck „am dritten Tag“ in der Ostererzählung beides auf einmal – sowohl das vollkommenes Ende als auch den vollkommenen Anfang – aussagen will.

Im Ostergeheimnis ereignet sich also etwas ganz Neues; die Angabe „am dritten Tag“ steht hier für den endgültigen Tot und für den unerwarteten Neuanfang, die Auferstehung. Verständlich wird dies nur, wenn wir bedenken, dass sowohl der Tod als auch die Auferweckung außerhalb unserer Macht liegen. Weder beim Tot noch bei der Auferstehung können wir selbst etwas aufhalten oder neu errichten; wenn hier etwas weitergehen soll, dann nur, weil Gott, der ganz ANDERE, eingreift.

Daher sagen die Engel den Frauen am Grabe, die den Leichnam Jesu suchen: „Was sucht ihr die Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.“ (Lk 24, 5b-6a). Mit anderen Worten: wir Menschen können nur noch den Leichnam suchen, alles andere ist außerhalb unserer Vorstellungskraft. Wenn das Grab aber leer ist, dann nicht, weil Jesus selbst auferstanden wäre, sondern, weil er vom Vater auferweckt wurde.

Gibt es aber dennoch etwas – so müssen wir fragen – was wir tun können, damit die Person in Gott weiterlebt? Die Antwort auf diese Frage kommt im Ps 23: „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir“.

Die lispelnden Lippen und das Vertrauen, dass Gott bei mir ist, auch in der Stunde des Todes – das ist jenes Seil über dem Abgrund, das uns hinüberführt in ein neues Leben.

In Christus haben wir die Garantie, dass Gott seine Zusage hält. Und wenn wir selbst nicht mehr lispeln können, wird es in unserer Nähe einen österlichen Menschen geben, der es für uns tun wird, bis der Morgen des sonnigen dritten Tages kommt?

ICH WÜNSCHE IHNEN, LIEBE LANDSLEUTE,

EIN FREUDENREICHES UND GESEGNETES

OSTERFEST: CHRISTOS VOSKRES, WOISTINU WOSKRES!

Ihr

Msgr. Dr. Alexander Hoffmann, Domvikar

Beauftragter der DBK für die Gläubigen aus der GUS

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