Bericht über die Bildungsreise nach Lourdes

Wir sind kürzlich in einer großen Gruppe, zu der auch 15 Mitglieder vom St. Clemens-Werk angehörten, gemeinsam nach Lourdes gereist, und es war eine Erfahrung, die uns allen sehr viel gegeben hat. Schon bevor wir Lourdes erreichten, haben wir nach der Landung in Toulouse einen wichtigen Zwischenstopp in Garaison gemacht. Dort haben wir in der Kirche Notre-Dame de Garaison unseren Eröffnungsgottesdienst gefeiert. Dieser Ort atmet Gottes Geschichte: Schon in den Jahren 1510 oder 1515, also noch weit vor den Erscheinungen in Lourdes, zeigte sich die Muttergottes hier einem Hirtenmädchen namens Angela oder Angelika in einem wunderbar hellen Licht. Die Heilige Jungfrau bat das Kind, ihre Gaben zu verteilen, doch anfangs schenkten der Pfarrer und die Menschen dem armen Mädchen keinen Glauben. Aber Gott gab seine Beweise: Aus getrockneten Brotkrusten in der Tasche des Mädchens wurde feinstes Weißbrot, und auch der Brotkasten im Elternhaus war plötzlich damit gefüllt. Von Wundern wird dort auch in unserer Zeit berichtet: So ist uns erzählt worden, wie ein gelähmter Junge nach einem Gebet zur Muttergottes wieder gehen konnte. Dieser Besuch war für uns alle ein sehr bewegender Einstieg in unserer Wallfahrt.

In Lourdes angekommen, haben wir uns sofort von der christlichen Atmosphäre und den vielen Gesängen und Gebeten in verschiedenen Sprachen inspirieren lassen. Es stimmt wirklich, was man sagt: „Einmal Lourdes, immer Lourdes“. Jedes Jahr kommen Millionen Menschen an diesen besonderen Ort, um ihren Glauben zu vertiefen oder danke zu sagen. Wir haben an der Grotte, wo die Muttergottes 1858 dem Mädchen Bernadette erschien, viel über unseren Glauben und das Leben nachgedacht. Besonders die Rosenkranzbasilika mit ihrem großen Vorplatz, wo man das Lourdeslied singt und unzählige Kerzen brennen sieht, hat uns tief berührt.

Wir sind während der Reise unglaublich schnell zu einer festen Gemeinschaft zusammengewachsen. Als ein mitreisendes Kind plötzlich krank wurde, haben wir gesehen, was Nächstenliebe wirklich bedeutet. Viele aus unserer Gruppe haben sich gekümmert, Essen gebracht und der Familie das Gefühl gegeben, nicht alleine zu sein. Eine Mitreisende hat das Kind sogar so liebevoll und fröhlich betreut, dass es die ganze Situation für die Kleine und ihre Oma deutlich leichter gemacht hat. Die Eltern haben sich später in einem Brief sehr bei uns allen bedankt, und für uns war es selbstverständlich, dass man in einer Wallfahrtsgruppe füreinander da ist. Wie es eine Teilnehmerin aus unserer Gruppe so schön sagte: „Das gehört doch zur Wallfahrt, wenn man sich gegenseitig unterstützt und einer sich um den anderen kümmert“.

Ein großer Punkt für uns war auch das Miterleben des internationalen Gottesdienstes, bei dem Jugendliche sich um kranke und behinderte Menschen gekümmert haben. Es hat uns nachdenklich gemacht, wie sehr die Kranken in Lourdes im Mittelpunkt stehen – sie bekommen dort ganz vorne ihren Platz. Dass sich die Lichterprozession sogar um über eine halbe Stunde verspätete, weil es so viele Kranke gab, zeigt einfach, wie wichtig Lourdes für diese Menschen ist. Wenn man dieses Leid sieht, fällt es einem viel leichter, die eigenen kleinen Beschwerden anzunehmen und dankbar zu sein.

Beim gemeinsamen Rosenkranzgebet fühlten wir uns im Glauben sehr gestärkt. Es war für eine Frau fast so, als ob die eigene Oma neben ihr stünde und mitbeten würde, was sie sehr getröstet hat. Wir haben gelernt, dass man alle Erfahrungen, auch das, was wir nicht verstehen, im Gebet in Gottes Hände legen darf. Abends haben wir uns nach den Prozessionen oft noch zusammengesetzt, um über das Erlebte zu sprechen und die Freude zu teilen, die wir dort gespürt haben. Es war für uns eine gesegnete Zeit.

Redaktion St. Clemens-Werk