Die Muttergottes von Kasachstan (Remi Insama italienischer Meister, Holz, 2018 – 2019)

Spanische Gastdozentinnen waren die Ideengeber: Luisa Marisole und Lopes Fernandes unterrichteten an der Universität in Karaganda. Jedes Mal, wenn sie die Kathedralkirche der Bischofsstadt besuchten, hatten sie den Eindruck, da fehlt etwas für die Menschen aus Kasachstan.

Sie beschlossen, von ihrem Gehalt Geld für eine Muttergottesstatue zu spa-ren. Nach zwei Jahren sprachen sie beim katholischen Ortsbischof von Kara-ganda, Adelio del Oro, vor. Dieser erteilte schließlich dem italienischen Künstler Remi Insama den Auftrag, eine Madonna aus Holz für die Kathedrale der „Muttergottes von Fatima, Mutter aller Nationen“ in Karaganda zu schnit-zen: als Kasachin mit braunen Augen, asiatischen Gesichtszügen und rosa Bäckchen.

Die Grundidee entlehnte der Holzbildhauer einer monumentalen Skulptur in der Hauptstadt Nursultan. Auf dem Platz „Otan Kargaschylar“, dem Gedenk-platz für die Helden des Ersten und Zweiten Weltkriegs, steht eine kasachi-sche Mutter mit einer goldenen Piala (Trinkschale). Sie inspirierte sowohl die beiden Dozentinnen wie den Künstler, besonders hinsichtlich der Dynamik. Die Gottesmutter steht nicht starr, sondern kommt einem entgegen. Auch das Jesuskind streckt seine Arme nach jedem, der sich ihm nähern will, aus.

Der reiche Schmuck an Kleidern und an der Hand der Gottesmutter symboli-siert ihre besondere Würde und ihren Platz in der Familie und Gesellschaft. Ihre Haare sind mit einem Kischek – der üblichen Kopfbedeckung einer Frau nach der Geburt des Erstgeborenen – verhüllt. Die Farbe Weiß in der Kleidung deutet allerdings auf ihre Jungfräulichkeit hin. Das Gewand (Tschapan) selbst ist blau, der traditionellen Farbe Mariens. Die schmalen Augen von Mutter und Sohn dienen dem Schutz vor der brennenden Sonne im Sommer, dem eisigen Wind im Winter, aber auch gegen den Sandwind der Steppe.

Das Jesuskind trägt den weißen Hut eines Hirten. Seine Beinchen sind wie bei einem Hirten auf der Rast überkreuzt. Der weiße, mit Goldfäden gestrickte Scholpan Kalpak (gefilzter Hut) ist typisch kasachisch. Er hat die Form einer Jurta (kasachisches Wohnzelt), bloß in Miniaturform. Ein solcher Hut hat in Kasachstan große religiöse und gesellschaftliche Bedeutung. Dies wird heute sogar immer aktueller, denn sehr viele Männer tragen die traditionelle Kopf-bedeckung.

So haben nun die Gläubigen ein kasachisches Element innerhalb der Kathed-rale. – Maria, Mutter aller Nationen: bitte für uns!

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