9. Juni 2026 Die weite Geografie der Nächstenliebe: Rückblick auf die Pfingstaktion von Renovabis
Wer auf der Landkarte nach dem „Osten“ sucht, wird unweigerlich an Grenzen stoßen – politische, kulturelle, geografische. Doch für das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis erwies sich diese Himmelsrichtung im Rahmen seiner jüngsten Pfingstaktion einmal mehr nicht als starre Demarkationslinie, sondern als ein weiter, fließender Raum der Verantwortung. Wo genau jener „Osten“ endet, in dem das Hilfswerk seine wohltätigen Projekte entfaltet, ließ sich auch in diesem Jahr kaum mit dem Lineal ziehen. Die Solidarität beschränkte sich keineswegs auf den Osten Europas. Die Hilfsgelder reichten tief hinein in das immense Territorium Russlands, sie erreichten unabhängige Staaten der ehemaligen Sowjetunion wie Kasachstan und berührten Zentralasien sowie den Kaukasus – Weltgegenden, die geografisch längst in Asien verankert sind, deren gesellschaftliche und kirchliche Schicksale jedoch weiterhin eng mit den unseren verwoben bleiben.
Seinen feierlichen Auftakt fand dieses weitgespannte Vorhaben am 10. Mai unter den hohen Gewölben des Augsburger Doms. Der von Bischof Dr. Bertram Meier zelebrierte Eröffnungsgottesdienst bot jenen geistlichen Raum, in dem sich das vielschichtige Weltgeschehen wie in einem Brennglas sammelte. Aus Armenien und Serbien, aus Rumänien und den baltischen Staaten waren Gäste angereist. Sie brachten nicht nur ihre je eigenen Traditionen mit, sondern trugen in ihren Berichten auch die Echos jener vielfältigen Krisen in sich, die diese Länder gegenwärtig zeichnen. Es sind Regionen, in denen das soziale Gefüge oftmals fragil ist und in denen es nicht selten an den elementarsten Mitteln für das Nötigste fehlt.
Zwei Wochen später, am 24. Mai, fand die Kampagne schließlich ihren feierlichen Ausklang. Der Schlussgottesdienst in Kaufbeuren, den das ZDF live übertrug, bildete den öffentlichen Schlusspunkt einer Aktion, die vor allem auf das stille, beharrliche Wirken setzt. Die dort zusammengetragene Kollekte war der sichtbare Ausdruck des Kerngedankens von Renovabis: Dass christliche Nächstenliebe nicht an den Rändern des europäischen Kontinents Halt machen darf, sondern dorthin wirken muss, wo die Not am größten ist – wie weit der Weg nach Osten auch immer sein mag.

Text und Bilder: Erik Fink