Osterwort 2026 von Weihbischof Dr. Hauke

Tod, wo ist dein Sieg?

Die Künstlerin Hildegard Hendrichs (1923-2013) hat in Erfurt und im Umfeld des
Bistums Erfurt zahlreiche Kunstwerke in Holz, Metall und mit Gemälden geschaffen,
die größtenteils in einer großen Ausstellung im Jahr 2023 anlässlich ihres 100sten
Geburtstags in der Erfurter Schottenkirche gezeigt wurden. Diese Künstlerin hatte
versucht, aus ihrem tiefen Glauben heraus die Verbindung zwischen dem leidenden
und auferstandenen Christus zu schaffen und darzustellen.
Christus mit Dornenkrone und mit einem leichten Lächeln – das ist sicherlich eine
Darstellung, die nicht überall Gefallen findet. Konnte denn der gemarterte Christus
noch lächeln und zuversichtlich schauen? Der Glaubende kann die Verbindung
herstellen, weil er weiß, mit welcher inneren Haltung Jesus Christus den Kreuzweg
angenommen hat und gegangen ist. Aus Liebe zu uns Menschen, die er frei sehen
wollte von aller Schuld, hat er Leiden und Tod auf sich genommen. Wenn auch
äußere Qual für ihn damit verbunden war, so war auch die Zuversicht dabei, dass es
kein sinnloses Leiden ist, sondern für uns Menschen Erlösung bedeutet, denn
Christus hat stellvertretend alle Schuld der Welt auf sich genommen, die wir
Menschen nicht aus der Welt schaffen konnten.
Am Osterfest dürfen wir mit dem Auferstandenen jubeln, weil es einen Ausweg aus
unserer Schuld gibt. Diesen Jubel können jedoch nur diejenigen nachvollziehen, die
auch erkannt haben, dass sie erlösungsbedürftig sind. Ohne die Einsicht in das
eigene Versagen und die Erkenntnis, dass wir uns nicht selbst davon erlösen
können, wird es den Osterjubel nicht geben. In unserer Zeit wird die Schuld gern
abgeschoben und anderen Menschen auferlegt. Beim Nachdenken entdecken wir
aber doch unser eigenes Unvermögen, eigenes Versagen zu erkennen und Schuld
zu verzeihen oder wenigstens böse Gedanken abzulegen, die wir gegen
Mitmenschen hegen.
Angesichts von Vertreibung und Krieg wird die Schuldfrage gestellt und kommt der
Ruf nach Versöhnung auf, wobei meistens erkannt wird, wie gewaltig die Schuld ist,
die kein Mensch allein tragen kann. Die Vertriebenen nach dem 2. Weltkrieg wissen
selbst um diese Problematik und auch heute steht wieder die Frage an, wer alles
Leid durch Vertreibung und Krieg tragen und zu einer Lösung und Erlösung führen
kann.

Wir schauen in unserem Osterbild auf Christus, der uns sagen will: „Ich habe aus
Liebe zu euch alle Schuld auf mich geladen.“ Es gibt einen, der mit uns durch die
Schuld zur Erlösung gegangen ist. Er hat Licht gebracht, das wir in der Osternacht
eindrücklich erleben, wenn die Osterkerze in die dunkle Kirche getragen wird. Das
Licht geben wir dann weiter und damit erhellt sich unsere Welt. Alles hat aber eine
Ursache und einen Anfang: In der Liebe Jesu Christi.

Ein gesegnetes Osterfest und die Freude am neuen Leben durch den
Auferstandenen wünscht von Herzen

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke