9. Juni 2026 Rückblick auf den Katholikentag
Unter dem Leitwort „Hab Mut, steh auf“ versammelten sich im Mai zehntausende Gläubige zum 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg. Die Stadt am Main verwandelte sich für wenige Tage in ein lebendiges Zentrum des christlichen Dialogs. Überall in den Gassen, auf den großen Podien und an den Informationsständen ging es darum, Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu finden und christliche Haltung zu zeigen. Doch neben den großen gesellschaftspolitischen Debatten waren es vor allem die Momente des gemeinsamen Gebets, die den Katholikentag prägten.
Für unseren russlanddeutschen katholischen Verein, das St. Clemens-Werk, gab es inmitten dieses dichten Programms einen ganz eigenen Höhepunkt, der unsere Geschichte und unsere Aufgabe in den Mittelpunkt rückte. Am Vormittag des 16. Mai 2026 versammelten wir uns in der Kirche St. Gertraud am Pleicherkirchplatz. Dort fand um 11 Uhr der feierliche Gottesdienst für Mittel- und Osteuropa statt, zu dem traditionell alle Vertriebenenverbände zusammenkamen.

Der Gottesdienst stand unter dem Leitgedanken „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben“ – ein Thema, das gerade für Menschen mit einer von Flucht, Vertreibung und Neuanfang geprägten Biografie eine tiefe Bedeutung hat. Hauptzelebrant der heiligen Messe war Weihbischof Reinhard Hauke. An seiner Seite stand als Konzelebrant unter anderem der ungarischstämmige Kardinal László (Ladislav) Német aus Serbien. Diese Präsenz am Altar spiegelte die große grenzübergreifende Verbundenheit der mittel- und osteuropäischen Katholiken wider.

Für eine besonders festliche Stimmung sorgte die musikalische Gestaltung: Der Chor des Gymnasiums Cyrill und Method aus dem tschechischen Brünn begleitete die Messe und verlieh dem Gottesdienst einen würdigen und berührenden Rahmen.
Ein weiterer Moment der Solidarität war die anschließende Kollekte, die in voller Höhe für die katholische Kirche in der kasachischen Metropole Almaty bestimmt war. Gerade für uns Russlanddeutsche war dies ein wichtiges Zeichen der Verbundenheit mit unseren Wurzeln und eine spürbare Unterstützung für die dortigen Gemeinden, die den Glauben oft unter schwierigen Bedingungen leben.
Der Katholikentag in Würzburg war ein wichtiges Ereignis für unseren Verein. Besonders wertvoll war dabei das enge und vertrauensvolle Zusammenwirken mit der Ortsgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, die gemeinsam mit uns vor Ort vertreten war. Unsere vereinte Teilnahme an diesem Gottesdienst war weit mehr als nur ein Programmpunkt – es war ein Bekenntnis zu unserem Glauben und zu unserer Geschichte. Es war uns ein wichtiges Anliegen, Präsenz zu zeigen, unsere Identität innerhalb der großen katholischen Gemeinschaft sichtbar zu machen und gemeinsam das Motto „Hab Mut, steh auf“ im christlichen Miteinander mit Leben zu füllen.

Text: Erik Fink
Beitragsbild: Daniel Schwarz (Quelle: radiogong.com)
Bilder im Artikel: Erik Fink