Schutzpatronin


Am 1. Mai wird in Bayern das Hochfest Heilige Maria, Patronin des Landes Bayern gefeiert. Kurfürst Maximilian I. hat dies auch sichtbar gemacht und auf dem Marienplatz eine Marienstatue errichten lassen.

Die in Gold gefasste Schutzpatronin blickt herab auf das bunte Treiben im Herzen der Stadt. Kann dieses zutiefst gläubige Vertrauen in die Gottesmutter heute noch positiv nachvollzogen werden? Der Blick auf die neulich entstandenen Bewegungen Maria 2.0 und Maria 1.0 in Deutschland zeigen trotz aller Kontroversen, dass die Mutter Jesu immer noch als Beispiel im Glauben betrachtet wird, nur die Deutungen gehen in vielem auseinander.

Welche Momente aus dem Leben Mariens können auch heute noch Hilfe im Glauben und Leben sein? Ihre Wachsamkeit für die Stimme Gottes im Leben, die der Menschheit den Neuanfang des Heils geschenkt hat. Ihre gläubige Zuversicht, die half, trotz aller Widrigkeiten, die eine voreheliche Schwangerschaft damals mit sich brachte, den Erlöser zur Welt zu bringen. Schmerzlich wird sie dann lernen müssen, dass sie Ihr Kind nicht an sich binden kann – der 12-jährige Jesus beginnt eigene Wege zu gehen. Die Tempelwallfahrt nach Jerusalem zeigt dies deutlich.
Die Hochzeit zu Kana zeigt Maria dann in einem neuen Licht. Sie geht hinaus, nimmt aktiv am öffentlichen Leben teil, verlässt die Enge des häuslichen Lebens. Das Johannes-Evangelium schildert sie als selbstbewusste und selbständige Frau, die schon vor Jesus und seinen Jüngern auf der Hochzeit ist. Josef, Ihr Mann, wird nicht erwähnt. Schneller als alle anderen sieht und begreift sie, wie sich auf den ersten Schritten eines jungen Hochzeitspaares eine Katastrophe anbahnt. Sie sieht es und handelt. Wer Maria als Schwester der Menschen bezeichnet hat, wird nicht zuletzt an diese Szene gedacht haben.

Dieses Dabei-Sein bleibt ein durchgehendes Motiv im Leben Mariens – in der Passion, bei den Ostererzählungen und schließlich beim Pfingstfest (Apg 1, 14; 2, 1); Maria ist dabei, erlebt die schweren und unbegreiflichen Wege des Heils und hilft dadurch den anderen, sich dem Wirken Gottes zu öffnen. So wird sie Urbild des Glaubens, Mutter der Kirche und Zuflucht der Betrübten genannt, nicht nur in Bayern, sondern über alle Kulturen und Grenzen hinweg.

Die Wirkungsgeschichte Mariens ist unzertrennlich mit dem Bild der Frau in der Kirche verwoben. Unter diesen Frauen gibt es großartige Gestalten, Kirchenlehrerinnen, wie Hildegard von Bingen, Katharina von Siena oder Birgitta von Schweden. Für Papsttum und Kirche waren sie Ratgeberinnen, Stütze und Hilfe in schwierigsten Zeiten. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass sie in Ihrer Epoche tragende Säulen der Kirche waren. Doch die Anerkennung folgte erst in unseren Tagen, posthum, in einer Zeit, in der die Menschen realisieren,  dass sie in der Kirche von einer „Männerwelt“ regiert werden, in der Frauen um Anerkennung und Wertschätzung kämpfen müssen und häufig Begegnung auf Augenhöhe verweigert wird.

Der Heilige Josef, der Arbeiter, stand seiner Frau nicht im Wege und ließ sie ihre Berufung leben, ihre Wege gehen. Ob wir es schaffen können, den Frauen in der Kirche wirklich jenen Raum für ihre Berufungen zu geben, der ihnen zusteht?

Fest steht: Dass Maria Ihre Berufung leben konnte, ist uns zum Segen geworden.

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